Home | Sitemap | Kontakt | Impressum
 

Ein Intervies mit Rainer Pollmann aus dem Jahr 2015 zu dem Thema "Excel wird oft ineffektiv genutzt" finden Sie hier.

Logo Hochschule Pforzheim

Interview mit Rainer Pollmann & Peter Rühm zu dem Thema "Controlling mit der Excel-'Familie'" (auch Thema des 48. Controlling Forums)

Controlling mit der Excel-"Familie"

Fast jeder Controller arbeitet mit Excel. Die Soft­ware bietet aber mittler­weile jede Menge Zusatz­an­wendungen, so genannter "Add-Ins" wie Excel Power-Query, Power Pivot oder Power View. Wie diese Add-Ins sinn­voll im Controlling einge­setzt werden können, war das Thema des 48. Controlling Forums an der Hoch­schule Pforz­heim am 23. September.

Prof. Dr. Joachim Paul sprach danach mit den Referenten Rainer Pollmann und Peter Rühm.

Sie propagieren doch immer – salopp gesagt – "Excel kann alles". Nun führen Sie aber einen Work­shop durch, der zwar in der Micro­soft-Welt ver­bleibt, aber doch über die Add-Ins geht. Also kann Excel selbst doch nicht alles?

Rainer Pollmann: Excel kann ja auch alles. Als Anwender sollte man sich bei seinem Tun aber immer die Frage nach der Effizienz und Effektivität stellen. Und einige dieser neuen Add-Ins bieten einen sehr hohen Anwendungs­komfort an und sind damit sehr effizient. Controller können sich bei deren Ein­satz dann wirk­lich auf die Analyse konzentrieren und nicht auf das "Daten­schaufeln".

Power Pivot, Power Query, Power Maps, Power View – der Außen­stehende ist bei diesen vielen Angeboten schon ver­wirrt. Was ist der Unter­schied zwischen diesen Programmen? Und was bietet z.B. Power Pivot, was die Pivot Funktion nicht bietet?

Rainer Pollmann: Power Pivot lässt vermuten, dass man erweiterte Funktionen für die Pivot-Tabelle erhält, was jedoch nicht die Ober­fläche betrifft. Viel­mehr gibt es die Möglichkeit mehrere völlig heterogene Daten­quellen zu nutzen und zu verbinden. Entscheidender Unter­schied sind aber die DAX-und die Cube-Funktionen sowie die Sprache "R", mit deren Hilfe OLAP-Cubes als Daten­quelle genutzt werden können.

Power Query ist ein sog. Data-Explorer, mit dessen Hilfe ver­schiedenste Daten­quellen genutzt werden können, um ein gemein­sames Daten­modell zu erschaffen. Dabei gibt es erstaun­liche Mög­lich­keiten, Daten in ihrer Struktur zu verändern, so dass das übliche Nach­bearbeiten von Daten­importen nun wirklich auf Knopf­druck möglich ist.

Power View stellt diese Daten wiederum in gut visualisierten Reports und dynamischen Management-Cockpits zusammen. Ein wenig Ähnlichkeit hat dies rein funktional mit dem Gruppieren bzw. Konsolidieren, das Design und die Bedienung ist jedoch um einiges moderner.

Power Maps kann regionale Daten in Form von Säulen und anderen Diagramm­typen interaktiv dar­stellen und eignet sich dabei nicht nur für Geo-Daten, sondern auch für eine einfache räumliche Zuordnung regionaler Informationen.

Im Markt herrscht kein Mangel an BI-Systemen – Bissantz, pmOne, Corporate Planner, um nur einige zu nennen. Und natürlich SAP mit den entsprechenden Modulen. Sind diese nun alle überflüssig, wo auch Microsoft in diese Richtung geht?

Peter Rühm: Nein, selbst­ver­ständ­lich nicht. Zum einen stellt die Viel­falt am Markt sicher, dass die Produkte ständig weiter­ent­wickelt werden. Zum anderen ist der Microsoft-Ansatz besonders für diejenigen interessant, die alles in der Microsoft-Welt lösen möchten. Der Weg vom SQL-Server zur Daten­haltung bis zum Report ist hier inner­halb einer Welt besonders elegant und ohne große System­brüche mög­lich. Transparenz und Flexibilität der Reports sowie die Mög­lich­keit der eigen­ständigen Modifikation sehen wir hier als großen Vorteil an.

Um die Komplexität noch etwas zu steigern – auch MS selbst bietet außer­halb der Excel-Suite noch ein BI-Tool an: Power BI. Wie passt dies in die Land­schaft?

Peter Rühm: POWER BI ist sozu­sagen ein Stand-Alone-Tool, das viele der Mög­lich­keiten der oben genannten Tools unter einer Ober­fläche zusammen­fasst. Es stellt in dieser Form dann die Schnitt­stelle zum Berichts­empfänger dar, der die Informationen dann interaktiv präsentiert bekommt und mit den Daten "spielen" kann. Aller­dings ohne Excel. Ziel von Microsoft scheint es zu sein, das Reporting via Power BI web­basiert für die unter­schiedlichsten Platt­formen anzu­bieten.

Klar, es kommt immer darauf an… gleich­wohl die Frage: wie lange benötigt ein halbwegs versierter Excel-User, um mit den Excel Add-Ins professionell arbeiten zu können?

Rainer Pollmann: Wenn wir davon aus­gehen, dass ein Anwender bereits mit einer Pivot-Tabelle gearbeitet hat und er zum Start eine Anleitung erhält, dann benötigt er ca. 1 Personen­tag zur Ein­arbeitung. Eben so viel benötigt ein Anwender für die Ein­arbeitung von Power Query, wenn er sich zuvor bereits mit dem Daten­import beschäftig hat.

80% - so eine öfters kolportierte Faust­regel – der Zeit beim Auf­bau eines Reporting-Systems wird gebraucht zur Abstimmung zwischen Vor­systemen und Controlling Daten­bank. Dies liegt an der Heterogenität der Vor­systeme. An diesem Grund­problem ändern auch die modernsten Tools nichts?

Peter Rühm: So ist es. Garbage in, Garbage out gilt auch für die neuen Microsoft Tools. Unserer Meinung nach sollte jedoch auch mehr Auf­wand für die Abstimmung des Reportings auf die Report­empfänger betrieben werden. Viele Reports liefern Informationen, die nicht entscheidungs­relevant sind.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

nach oben